Verfolgung von Minderheiten

Syrien: Christen von einem Mob angegriffen, dann von der Polizei vorgeladen

Am 3. Oktober hat ein Mob aus einem benachbarten sunnitischen Ort erneut Suqaylabiyah überfallen, eine christliche Kleinstadt in Zentralsyrien. Anschließend luden die Sicherheitskräfte sechzehn junge Männer aus dem Ort zur Vernehmung vor. In derselben Woche wurden bei zwei Schusswaffenangriffen mindestens zehn Alawiten getötet. Im neuen Syrien ist die Justiz unparteiisch: Sie interessiert sich auch für die Opfer.

Suqaylabiyah, Oktober 2026. Gleichheit vor dem Gesetz: Fragen an die Opfer, Tee für die Angreifer.
Suqaylabiyah, Oktober 2026. Gleichheit vor dem Gesetz: Fragen an die Opfer, Tee für die Angreifer.

Ein Streit unter jungen Männern, mit Schüssen

Am 3. Oktober versuchten zwei junge Männer aus Qalaat al-Madiq, einem vier Kilometer entfernten sunnitischen Ort, einen Ladenbesitzer in Suqaylabiyah einzuschüchtern, einer überwiegend griechisch-orthodoxen Kleinstadt bei Hama. Sie wurden verprügelt, gingen nach Hause und kehrten nachts mit einem Mob zurück, so Christian Solidarity Worldwide (CSW). Häuser und Geschäfte wurden geplündert, es wurde wahllos geschossen, und eine alawitische Frau wurde leicht verletzt.

Die Staatsmedien berichteten von einem Streit unter jungen Männern, der in einem Angriff auf ein Geschäft endete – in der Einzahl. Das Gouvernement Hama machte eine „systematische Aufwiegelung unter den Bestandteilen des syrischen Volkes“ verantwortlich, ohne zu sagen, welcher Bestandteil die Waffen mitgebracht hatte. Der Direktor des Bezirks al-Ghab versprach ein rechtliches Verfahren „ohne Verallgemeinerungen“. Zu sagen, wer wen angegriffen hat, wäre offenbar eine.

„Die syrischen Christen wollen weder Chaos noch Rache.“— Pater Fadi Sankari, orthodoxer Priester von Suqaylabiyah, auf Facebook

Gleich vor dem Gesetz, vor allem die Opfer

Die Sicherheitskräfte nahmen in beiden Orten Menschen fest, darunter zwei Christen, die am 5. Oktober freikamen; sie waren wegen späterer Handgemenge mit mutmaßlichen Angreifern festgehalten worden. Vor allem aber, so die Bewohner, hätten sie die Menschen in Suqaylabiyah in ihren Häusern festgesetzt, statt die Angreifer zu verfolgen. Anschließend wurden laut SyriacPress sechzehn junge Christen zur Vernehmung vorgeladen, und einige der Festgenommenen aus der Stadt wurden nach Beschwerden von Bewohnern aus Qalaat al-Madiq in ein dortiges Sicherheitszentrum gebracht. Einige der Beschwerdeführer sollen selbst an dem Überfall beteiligt gewesen sein. Heimvorteil. Am 13. Oktober war ihr Schicksal noch immer unbekannt.

Versöhnung auf Syrisch

Die Stadt kennt das Ritual. Im Dezember 2024, zwei Wochen nach Assads Sturz, steckten vermummte Kämpfer ihren Weihnachtsbaum in Brand. Die neuen Machthaber machten Ausländer verantwortlich und versprachen rasche Abhilfe.

„Der Baum wird bis morgen früh wiederhergestellt und erleuchtet sein.“— Ein religiöser Führer von Hayat Tahrir al-Scham, Dezember 2024

Am 27. März 2026 fuhren nach mutmaßlichen Belästigungen junger Frauen Dutzende Männer ungehindert an den Kontrollposten vorbei, plünderten Geschäfte und schossen auf Cafés und auf eine Statue der Jungfrau Maria, wie die Menschenrechtsorganisation Syrians for Truth and Justice (STJ) berichtet. Ein Zeuge sagt, eine Patrouille habe auf seinen Hilferuf mit „Hau ab“ geantwortet und die Angreifer dann begleitet. Die Kirchen sagten die öffentlichen Osterfeiern ab. Die am 11. April unter der Schirmherrschaft des Bezirks al-Ghab unterzeichnete Versöhnungsurkunde sah einen Ausschuss zur Schadensermittlung und den Verzicht auf rechtliche Ansprüche vor. Bis Mai war nach Feststellung von STJ kein einziges Opfer entschädigt worden.

Open Doors führt Syrien inzwischen auf Platz sechs der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden, nach Platz achtzehn ein Jahr zuvor.

Ausweiskontrollen unter neuer Leitung

Den Alawiten, der Gemeinschaft Assads, ergeht es noch schlechter. Am späten Abend des 30. September hielten Bewaffnete, die sich als Sicherheitskräfte ausgaben, nahe der Brücke von Masyaf im Umland von Homs einen Kleinbus an, der Arbeiter nach Hause brachte, kontrollierten ihre Ausweise und eröffneten das Feuer, so die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mindestens sieben Menschen wurden getötet, allesamt Alawiten, wie die Beobachtungsstelle angibt. Die Ausweiskontrollen haben den Sturz des Regimes überlebt: Nur die Kontrolleure sind andere. Der Kommandeur der inneren Sicherheit von Homs schwor, das Verbrechen werde „nicht ungestraft bleiben“. Am 4. Oktober wurden nahe Tartus drei junge Alawiten erschossen. Zu den Massakern an der Küste vom März 2025, bei denen ein Regierungsausschuss 1.426 alawitische Tote zählte, ergingen die ersten Urteile achtzehn Monate später.

Suqaylabiyah hatte rund 20.000 Einwohner, als Assad stürzte. Heute sind es laut The National noch etwa 16.000. In diesem Tempo werden die Behörden bald verkünden können, dass endgültig Ruhe eingekehrt ist.

Verse und Hadithe zu diesem Artikel

Quellen

  1. 01 Worthy Newsworthynews.com
  2. 02 CSWcsw.org.uk
  3. 03 Syria Nowsyrianow.net
  4. 04 The Nationalthenationalnews.com · 2 Artikel 1 2
  5. 05 SyriacPresssyriacpress.com · 4 Artikel 1 2 3 4
  6. 06 Al Arabiya / AFPenglish.alarabiya.net
  7. 07 Syrians for Truth and Justicestj-sy.org
  8. 08 Al Jazeeraaljazeera.com · 2 Artikel 1 2

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